Neues aus Südtirol - neues von Alexander Schiebel

Eines Morgens erwache ich und erfahre, dass ich vor Gericht gestellt werden soll. Weil ich ein Buch und einen Dokumentarfilm über ein kleines Dorf in Südtirol gemacht hatte, in dem Menschen sich gegen Pestizide eingesetzt hatten. 

Wegen meines Buches war ich vom Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft (Arnold Schuler) und vom Südtiroler Bauernbund und von 1.600 Obstbauern angezeigt worden. Und die Staatsanwaltschaft hatte danach tatsächlich Anklage erhoben. Und nun werde ich also in Bozen vor Gericht stehen. Wegen „erschwerter übler Nachrede“.

Und das wird hohe Anwalts- und Gerichtskosten verursachen. Zehntausende von Euros noch vor dem ersten Verhandlungstag. Kosten, die in Italien nicht einmal dann zurückerstattet werden, wenn ich am Ende gewinnen sollte.

Doch ob ich gewinnen werde oder nicht ist noch fraglich. Die Interessen der Bauern- und Tourismuslobby dominieren weite Teile der Südtiroler Gesellschaft und Institutionen.

Sollte ich verlieren, droht mir sogar eine Haftstrafe; es kommen dann noch höhere Kosten für das Verfahren vor höheren Instanzen und Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe auf mich zu. Wenn z.B. Tausende von Bauern als Nebenkläger auch nur 1.000 Euro als Schadensersatz zugesprochen bekämen.

Und ich bin nicht der Einzige der vor Gericht stehen wird.

  • Auch gegen einen Aktivisten vom Umweltinstitut München, Karl Bär, wurde Anklage erhoben.
  • Ebenso gegen den gesamten Vorstand des Umweltinstituts München.
  • Und schließlich sogar gegen meinen Verleger vom oekom Verlag: Jacob Radloff.

Ich wurde angezeigt, weil ich geschrieben hatte, 

  • dass die Pestizidwolken der Obstbauern die Gesundheit ihrer Nachbarn schädigen und Menschenleben kosten werden … 
  • und dass – wer diese Fakten vorsätzlich ignoriert – daran eine Mitschuld trägt.

Ohne Frage: Der Prozess gegen meine Mitangeklagten und mich ist ein Anschlag auf das Recht der freien Äußerung und Verbreitung von Meinungen.

Doch der eigentliche Skandal ist noch größer. Er liegt in jenem (weitgehend unbemerkten) Prozess, der zu solchen Prozessen führt und der dafür verantwortlich ist:

  • dass die Pharmaindustrie gefährliche Produkte gegen besseres Wissen im Markt hält,
  • dass die Öffentlichkeit systematisch und vorsätzlich über deren Gefahren belogen wird,
  • und dass auf Kritiker seit Jahrzehnten und in allen Teilen der Welt – mit SLAPP’s, sogenannten strategic lawsuits against public participation oder jusristischen Ohrfeigen, eingedroschen wird.

Ich bin weder der Erste, noch Letzte der mundtot gemacht werden sollte. Schon Rachel Carson, die mit ihrem Buch „Der Stumme Frühling“ zu den Impulsgebern der grünen Bewegung zählte und als erste auf die Gefahren von DDT hinwies, wurde und wird über ihren Tod hinaus durch eine beispiellosen Rufmordkampagne diffamiert. 

Und in manchen Ländern der Erde kämpfen Aktivisten und Journalisten nicht nur um ihren Ruf oder um ihr wirtschaftliches Überleben, sondern tatsächlich um ihr Leben.

Von diesen Repressionen erzähle ich im „Prozess“ – und ebenso von den systematischen Kampagnen der Pharmaindustrie zur Desinformation der Öffentlichkeit.

Doch wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch …

Wir sind gerade dabei unsere europäischen Netzwerke zu aktivieren. 

Unser Plan: Wir wollen den Gerichtsprozess umdrehen. 

  • Ihn zu einer Veranstaltung machen, in der wir den öffentlichen Nachweis erbringen werden, dass Pestizide so gefährlich sind, wie wir behauptet haben. 
  • Ja mehr als das: dass die Verantwortlichen nicht nur wegschauen, sondern sogar (aktiv fabrizierte und vorsätzlich in Umlauf gebrachte) Lügen verbreiten. (Dass die Pharma- und Agrarlobby die genau gleichen Techniken anwendet, die von der Tabakindustrie entwickelt wurden, um ihr Produkt wider besseres Wissen im Markt zu halten. Techniken, die zur Zeit auch von der Erdölindustrie mit großem Erfolg eingesetzt werden, um Zweifel am Klimawandel zu schüren.)
  • Wir werden den Nachweis erbringen, dass die Pestizidwirtschaft ihre Kritiker seit Jahrzehnten systematisch verfolgt und zu vernichten versucht. 

Denn die Zeiten, wo man in Europa damit durchkommt, sind hoffentlich vorbei. 

Und sehr bald werden sie auch in allen anderen Regionen der Erde vorbei sein.

Hoffentlich... Bestellen Sie jetzt schon Alexander Schiebels neues Buch, das bald im oekom Verlag erscheinen soll: Titel: "Der Prozess - gegen eine Wirtschaft, die tötet.."