Das Jahr 2019 - ein wahrlich bewegendes Jahr

Das vergangene Jahr 2019 war ein Jahr des Jugendprotestes - gekennzeichnet durch unendlich kreative Aktionen der jungen Generationen in ganz Europa. "Wenn einer allein träumt, bleibt es ein Traum. Träumen wir aber alle gemeinsam, wird es Wirklichkeit." (Dom Helder Camara, bras.Theologe 1999 gestorben). Und damit es auch eben diese von uns gewünschte Wirklichkeit wird, werden wir alle - jung oder alt, krank oder gesund, groß oder klein, hier oder dort - aktiv bleiben und weiter auf die Straßen und die Parlamente gehen, um unsere Anliegen nach einer friedlichen, klimagerechten, pestizid- und gentechnikfreien Welt immer wieder zu formulieren. Heute möchten wir Ihnen einen Gastbeitrag für die TAZ von zwei jungen Umweltaktivist:innen empfehlen.

Titel: "Ohnmächtig in der Parallelwelt".

Seit einem Jahr gehen wir auf die Straße und noch immer gibt es keine ausreichend ambitionierten Maßnahmen für den Klimaschutz. Es waren 52 Wochen, in denen die amtstragenden Politiker:innen den Mut hätten fassen können, sich der Klimakrise angemessen entgegenzustellen. Doch vollkommen konträr dazu, entfernen wir uns jeden Tag einen Schritt weiter vom Pariser Abkommen, denn das zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels verfügbare CO2-Budget schrumpft. Offenbar hat ein ganzes Jahr freitäglichen Streikens nichts verändert.

Aus diesem Grund fühlten sich Fridays for Future-Aktivist:innen aus der ganzen Welt verpflichtet, zur UN-Weltklimakonferenz COP25 nach Madrid zu fahren. Erstmalig waren Streikende aus allen Kontinenten zusammengekommen – alle mit unterschiedlichen Erfahrungen, Erlebnissen und Perspektiven zur Klimakrise. Der Austausch mit unmittelbar Betroffenen aus dem globalen Süden macht deutlich: Durch unsere Emissionen tragen wir als Industrienationen und Exportweltmeister eine globale Verantwortung, der wir uns nicht entziehen dürfen.

Die Klimakrise tötet. Genau jetzt, genau hier

Nakabuye Hilda Flavia lebt in Uganda und ist 22 Jahre alt. Auf der Weltklimakonferenz ist sie die Stimme sterbender Kinder, leidender Menschen und unterdrückter Frauen. In einem reichen Land wie Deutschland wird allzu schnell übersehen, dass die Klimakrise genau jetzt in diesem Augenblick Menschen tötet. Doch der Kampf ums Überleben in Uganda ist ein andauernder: Durst und Hunger sind ein Grund, wieso sich Nomadenstämme um Rinder und Kühe in Nordosten bekriegen. Zu den Verursachern zählen wir, die Industrieländer.

Einerseits übernehmen Industriestaaten wie Deutschland kaum Verantwortung für ihre Treibhausgasemissionen, andererseits blockieren diese reichen Länder auf der COP25 Gelder für vom Klimawandel betroffene Länder. Es geht um Geld, das benötigt wird, um die schlimmsten bisher entstandenen Schäden zu beheben und um innovative Maßnahmen für die Zukunft zu ergreifen. Aus diesem Grund braucht es eine globale zivilgesellschaftliche Bewegung, die die Hauptverantwortlichen zur Verantwortung zieht.

Wo bleiben die Antworten?

Doch was ist unsere Rolle auf der Weltklimakonferenz? Wir müssen die richtigen Fragen stellen: Wie soll man eine Krise lösen, wenn man genau die Problemstrukturen reproduziert, die sie verursacht haben? Ein Beispiel: Sechzig Prozent der Personen an der COP25 sind männlich gelesen, 40 Prozent weiblich gelesene Menschen. Zum fünften Mal in Folge findet die diesjährige COP in Europa statt. Aus Europa sind erneut am meisten Teilnehmer:innen vertreten. Ist das nicht mehr als fragwürdig?

„Ich kann nicht verstehen, wieso die Länder, die am meisten unter der Klimakrise leiden, am wenigsten repräsentiert sind.“ So begann die indigene, aus Uganda stammende Aktivistin ihre Rede. Wenn Menschen, die am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, nicht ausreichend in den Prozess der Lösungssuche einbindet, kann ihnen die Lösung kaum gerecht werden. Genau diese Unterrepräsentation und der vehemente Eurozentrismus dieser Konferenz hat zur Folge, dass die Stimmen derer, die unter der Klimakrise leiden, viel zu wenig gehört werden.

Eine wichtige Aufgabe der Fridays for Future-Aktivist:innen auf der COP25 ist sowohl die Aufmerksamkeit auf den globalen Süden zu lenken, wie auch die Verbindung und Zusammenarbeit mit Aktivist:innen aus dem globalen Süden zu stärken. Für unsere Bewegung ist es essenziell, dass die Stimmen aller Menschen gleich gewichtet werden. Um das beizubehalten und optimieren zu können, ist es von großem Vorteil, die Menschen und ihre Geschichten zu kennen.

Hilda, die genannte Aktivistin, zeigte uns in der U-Bahn auf dem Weg zu COP25 ein Bild von Kindern aus ihrer Heimat, die durch eine Flutwelle gestorben sind. Solche Bilder lassen sich nicht mehr ausblenden. Es wäre verbrecherisch, solches Leid zu ignorieren.

Hinweis zu den Autor:innen dieses Gastbeitrags:

Leonie Bremer ist Studentin im Fach „Enviroment and Energy“ sowie Internationale Pressekoordination und Pressesprecherin bei FFF in Deutschland.

Linus Dolder ist Gymnasiast sowie Internationaler Organisator und Pressesprecher bei FFF in der Schweiz.