Das Spiel "Gott spielen dank CRISPR/Cas" ist vorbei!

EuGH-Urteil: Unser Verein nimmt Stellung...Lesen Sie hier!

Ein bedeutender Tag für Bauern, Landwirte, WinzerInnen, SaatzüchterInnen, VerbraucherInnen: Nur der Präsident des Deutschen Bauernverbandes und Cheflobbyist zeigt sich zerknirscht! Der Europäische Gerichtshof hat am 25.Juli entschieden: Nach der Rechtsauslegung des Gerichtshofes müssen Pflanzen, die mit neuen Gentechnikverfahren in ihrem Erbgut verändert werden, auch als Gentechnik reguliert werden. Zusammen mit vielen anderen begrüßen wir dieses Urteil. So stellt Testbiotech fest: Es stimmt im Wesentlichen mit dem Inhalt eines Rechtsgutachtens überein, das Testbiotech schon vor einigen Wochen veröffentlicht hatte. Hier können Sie sich informieren!

Testbiotech schreibt zum Urteil: der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Pflanzen, die mit neuen Gentechnikverfahren in ihrem Erbgut verändert werden, müssen auch als Gentechnik reguliert werden. Testbiotech begrüßt dieses Urteil. Es stimmt im Wesentlichen mit dem Inhalt eines Rechtsgutachtens überein, das Testbiotech schon vor einigen Wochen veröffentlicht hatte. Testbiotech hat immer wieder darauf hingewiesen, dass sich Unterschiede zwischen herkömmlicher Züchtung und den neuen Gentechnikverfahren auch dann zeigen, wenn keine zusätzlichen Gene eingefügt werden.

Der Einsatz von CRISPR & Co führt in den meisten Fällen zu einem unverwechselbaren Fingerabdruck im Erbgut, einer Art Signatur, wie sie durch herkömmliche Züchtung nicht zustande kommt. Es ist also auch in der Sache gut begründbar, warum die neue Gentechnik und ihre Produkte erst geprüft werden müssen, bevor sie in die Umwelt und in die Lebensmittelkette gelangen.
Die BefürworterInnen einer raschen Vermarktung ohne Zulassungsprüfung und ohne Kennzeichnung reagieren mit fragwürdiger Rhetorik. Während sich die Industrie auffallend zurückhält, kritisieren zahlreiche Medien, ForscherInnen und Wissenschaftsorganisationen das Gericht mit sachfremden Argumenten. Es habe eine Bauchentscheidung gefällt und wolle eine neue Technologie verhindern. Dabei hat das Gericht lediglich geltendes Recht korrekt ausgelegt. Das Urteil war insofern nicht überraschend. Und es stimmt auch nicht, dass es keine wissenschaftlichen Gründe gäbe, die Risiken genau zu prüfen.
Letztlich kann die Gesellschaft eine neue Risikotechnologie nur dann nutzen, wenn sie über ihren Einsatz auch eine informierte Entscheidung treffen kann. Es ist also gut, dass mit diesem Gerichtsurteil nicht einfach vermarktet werden darf, was am meisten Profit bringt. Und die Sicherheit der Produkte kann von unabhängiger Seite überprüft werden – man muss der Industrie also nicht einfach „glauben". Auch JournalistInnen sollten für eine informierte Debatte eintreten und sich nicht nur von angeblichen Vorteilen blenden lassen, auch wenn die CRISPR-Technologie tatsächlich faszinierend ist. Gerade in dieser neuen Machbarkeit liegt die eigentliche Herausforderung für die Gesellschaft. Sie darf sich von der Entwicklung nicht überrollen lassen. Ob und wie sich die neue Gentechnik durchsetzt, wird sich zeigen. Wir stehen erst am Anfang, nicht am Ende der notwendigen gesellschaftlichen Debatte.
Und wer will, dass die Verfahren auch von kleineren ZüchterInnen genutzt werden können, müsste zuerst die Monopolpatente abschaffen und darf nicht einfach mit der Abrissbirne gegen Risikoprüfung und Wahlfreiheit vorgehen. Davon hätten die großen Konzerne wie Baysanto und DowDuPont am meisten profitiert.
Das Vorsorgeprinzip hat der EU in den letzten Jahrzehnten einen wesentlichen Vorteil verschafft. In Amerika werden auf Millionen Hektar Gentechnik-Pflanzen angebaut, deren Anbau für die Umwelt nachweislich erhebliche negative Auswirkungen hat. Und wie fraglich deren Sicherheit ist, zeigen aktuelle Untersuchungen, nach denen bei diesen Pflanzen ein wesentlich höheres Ausbreitungsrisiko besteht, als bisher angenommen wurde.
Unsere UnterstützerInnen können sich über das Gerichtsurteil aus Luxemburg also wirklich freuen. Testbiotech hofft, auch in Zukunft zu einer informierten Debatte beitragen zu können – unabhängig von den Interessen der Entwickler und Vermarkter der Gentechnik. Bitte helfen Sie uns auch, unser neues Video zum Thema CRISPR-Pilz zu verbreiten!